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NIMBUS Motorräder sind Produkte der Firma Fisker & Nielsen, Peter Bangsvej 30,
Frederiksberg (Kopenhagen), Hersteller der schon in den frühen Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wohlbekannten NILFISK Staubsauger. Es war die Telegramm Adresse der Firma,- eine Kombination der Namen der Gründer -, die als Warenzeichen Ihrer Produkte bekannt wurde.
Leider erschien der Name keine glückliche Wahl in einigen Exportmärkten gewesen zu sein, und daher wurden in jenen Ländern Fisker & Nielsen Produkte unter anderen Namen gehandelt.
Bevor die neuen, technisch recht fortschrittlichen Motorräder dem dänischen und dem europäischen Publikum vorgestellt wurden, gaben die Herren Fisker und Nielsen ihnen den wohlpassenden Namen NIMBUS, - Aureole, ein goldener Schein, der einen Kopf umgibt.

Peder Andersen Fisker, geboren im Jahr 1875, war Sohn einer Bauernfamilie in Skalmstrup, nahe Randers Fjord. Weil sein älterer Bruder den Hof der Familie übernehmen sollte, erlernte Peder den Beruf eines Lehrers, den er nach der Vollfüllung seiner Militärdienstzeit auch annahm. Sein technisches Interesse zog ihn jedoch bald zum Studium an die Elektro-Ingenieur Schule in Kopenhagen, und er absolvierte seinen Kursus in Rekordzeit im Jahre 1900.
Bald danach reiste er in die Vereinigten Staaten von Amerika um zu arbeiten und sich in seinem Fach weiterzubilden.

1904 kehrte er nach Dänemark zurück und nahm eine Stellung bei der Firma Thrige in Odense an. Dann, im Jahr 1906, gründete er, zusammen mit H. M. Nielsen,- einem seiner Kollegen bei Thrige -, die Firma Fisker & Nielsen, die kleine Elektromotoren produzierte.
Das führte Peder Fisker zu dem Plan, in ihrem Betrieb als Hauptprodukt Staubsauger herzustellen. Diese Idee fand jedoch keine Zustimmung bei seinem Geschäftspartner, der seinen Firmenanteil an Fisker verkaufte und die Organisation verließ.
Der Verkauf der Staubsauger lief sehr zufriedenstellend, auf dem Heimmarkt wie auch im europäischen Ausland.

Dann aber veränderte der Ausbruch des ersten Weltkrieges die Geschäftslage sehr drastisch, und Peder Fisker fasste den mutigen Entschluss, seine Produktion zu erweitern mit der Herstellung von Motorrädern, die dem allgemeinen Stand der einschlägigen Technik wohl voraus und zukunftsträchtig waren!  Und,- er sah ein Motorrad als eine große technische Herausforderung!

Das erste Erprobungsmodel rollte im Jahre 1918, und dem folgte eine Reihe von verbesserten Ausführungen. Sie hatten noch keinen Namen, bis im Jahr 1919 P. A. Fisker in einer Zeitung die Notiz las über eine Motorrad Rallye mit “Fabrikant Fisker mit seinem hausgemachten 4-Zylinder”. Er beschloss daraufhin seine Maschine “NIMBUS” zu nennen, ein Name, der in Dänisch und in vielen anderen Sprachen leicht zu sprechen und leicht zu merken war.

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Ansicht eines der ersten verkauften Exemplare, von denen neun in den Jahren 1919 - 1920 produziert wurden. Die kleine Anzahl ist wahrscheinlich ein Resultat der angespannten finanziellen Position der Firma in jener Zeit. Das Bild ist einer Reklamebroschüre entnommen. Der Rahmen und die Vorderradgabel wurden mehrfach überarbeitet.

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Die obige Zeichnung war Teil einer Patentanmeldung im Jahre 1917. Dieses Versuchsmodel,- wie es zu der Zeit genannt wurde-, war schon 1918 fertig für Probefahrten. Diverse Fotos bestehen noch von Herrn Fisker und Familie auf solchen Touren. Ein Vergleich mit dem folgenden Bild zeigt eine Anzahl von Verbesserungen bzw. Änderungen am Prototyp. Die modifizierte Vorderradfederung war eine Fehlkonstruktion,- das Zusammenspiel von Vorlauf und Nachlaufwinkeln funktionierte nicht. Auch war der Winkel des Rahmenrohres (zum Benzintank) steiler angeordnet.

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NIMBUS-A, 1921, “Das Ofenrohr”

Von diesem Model wurden in den Jahren von 1920 bis 1923 vierhundertneunzig (490) Exemplare gebaut. Der Rahmen, die Vorderradgabel und viele andere Teile wurden während dieser Zeit verbessert.

NIMBUS wurde bald im Volksmund unter dem Spitznamen “Ofenrohr“ bekannt, was Herrn Fisker gar nicht gefiel. Leider lief der Verkauf dieser frühen Modelle nicht so gut, wie die Firmenleitung erhofft und gewünscht hatte.  Die Ursache dieser Phase in der Firmengeschichte lag aber weniger in der Qualität der Produkte, als in Produktion und Mitarbeiterproblemen in den Werkshallen sowie Finanzierung und Steuerschwierigkeiten. Dieses in den ersten Jahren nur mit den persönlichen Mitteln des Inhabers arbeitende Unternehmen hatte große Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen, zumal die “Landmandsbanken”, deren Kunde Fisker war, nahe des Bankrotts stand.

Anfangs der zwanziger Jahre jedoch konnte die Firma in eine GmbH umgewandelt werden. Die neue Struktur machte es leichter Kapital aufzunehmen, um die Produktionskapazität zu erweitern, wie die folgenden Zahlen zeigen: Von 1919 bis 1921 wurden 60 Maschinen hergestellt,- bis Ende 1923 erhöhte sich die Anzahl auf beinahe 500.

Nimbus nahm seit 1921 an motorsportlichen Veranstaltungen im Inland wie auch im Ausland mit erheblichem Erfolg teil. Rennen wie jene von Rom nach Kopenhagen, Paris nach Kopenhagen, Berlin nach Kopenhagen, in denen Nimbus gewann oder gut platziert war, brachten die Marke in das Bewusstsein weiter Kreise. Talentierte Fahrer auf robusten, zuverlässigen und kraftvollen Maschinen,- das sprach sich schnell herum und half, Nimbus Motorräder zu verkaufen. Technisch versierte Leute erkannten sie als zukunftsträchtige Maschinen mit ihren Vierzylindermotoren, Kardanwellenantrieb und Hinterachsenfederung – weit voraus dem damaligen Stand der meisten ähnlich preiswerten Produkte jener Zeit.

Die Firma hob in ihrer Reklame die folgenden Besonderheiten ihrer Maschinen hervor:

  • Der als Rohr geformte Benzintank ist ein fester Bestandteil des leichten Rahmens und gibt jenem große torsionale Stabilität
  • Das Hinterrad,- wie das Vorderrad-, ist gefedert
  • Der Motor ist eine luftgekühlte, 4 Zylinder-in-Reihe Maschine mit 746 cm2 Hubraum
  • Der Antrieb des Hinterrades ist per Kardanwelle und Winkelgetriebe
  • Motor starten ist durch Druck auf Fußhebel am Kurbelgehäuse
  • Das Motorrad zeichnet sich aus durch ruhigen, vibrationsarmen Lauf mit guter Beschleunigung, guter Straßenlage und sparsamen Kraftstoffverbrauch

Nimbus B, 1924 – 1928

Von 1924 bis einschließlich 1928 wurden 762 Maschinen produziert. Das brachte die Gesamtzahl auf 1252 gebaute Einheiten. Während dieser Periode wurden diverse, fundamentale Veränderungen der Vorradaufhängung eingeführt, was zur Verstärkung dieses Bauteiles führte. Desweiteren wurden sowohl der Motor als auch das elektrische System verbessert.

 

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Joseph Koch auf Nimbus

Das folgende Bild zeigt einen dieser erfolgreichen und wohlbekannten Fahrer,- Joseph Koch, 18 Jahre alt, auf seinem eigenen 'Ofenrohr', welches er 'Metusalem' nannte-, während der sogenannten Dreieck Rallye im Jahr 1930, die er gewann, wie so viele andere auch.

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Fisker & Nielsens Fabrik 1924

Oben ist eine Zeichnung der Fabrik im Jahre 1924. Dort wurden die Motorräder gebaut und auch die Nilfisk Staubsauger.

Nach den ersten, schwierigen Jahren ging nun die Herstellung stetig und planmäßig voran mit einer Rate von etwa 200 Maschinen pro Jahr. Das war recht gut unter den gegebenen Bedingungen zu der Zeit, aber es war nicht möglich eine quasi Massenproduktion einzuführen in den beschränkten Werkshallen, die zur Verfügung standen, und die auch die Fabrikation der Staubsauger aufzunehmen hatten. Eines oder das Andere musste weichen!

Der Staat, also die dänische Regierung zu der Zeit, half - wohl unabsichtlich - Fisker zu dem Entschluss, den Bau von Motorrädern einzustellen!
Im Jahr 1924 wurde eine Verkaufssteuer auf Motorfahrzeuge eingeführt, sehr zum Ärger von Herrn Fisker, der seiner Unlust gegenüber Regierung und Parlament wortstark Ausdruck gab.

Die Fabrikation kam 1926 zum Ende. Verkaufszahlen waren stark rückgängig geworden. Motorräder, die in den folgenden drei Jahren das Werk verließen, waren aus schon früher hergestellten, auf Lager befindlichen Teilen zusammengebaut, und jene die im Jahre 1929 ausgeliefert wurden, waren generalüberholte gebrauchte Maschinen.

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Obiges Bild ist von einem 1927 Model mit der Fabrikationsnummer 1114. Die Maschine ist im Besitz des 'Danmarks Nimbus Touring' in deren ‘Nimbus Museum’ in Horsens.

Nimbus-C “Hummel”

P. A. Fisker hatte zwei Söhne und zwei Töchter.  Der älteste Sohn, Anders Fisker, bestand sein Examen als Maschinenbauingenieur im Jahr 1932. Schon als 18-jähriger, im Jahre 1926, besaß er seine erste Nimbus. Er war ein leidenschaftlicher Motorradfahrer, und es war eine große Enttäuschung für ihn, dass sein Vater die Herstellung der Nimbus Maschinen einstellen musste.

Anders begann schon während seiner Studienzeit mit Entwürfen,- mit Zeichnungen einer neuen Nimbus Maschine, und im Jahr 1932 konnte er seinen Vater und den Aufsichtsrat der Firma dazu überzeugen, wieder die Herstellung der Motorräder zu erwägen.

Anders Fisker erbrachte wohlkalkulierte Argumente und realistische Prognosen in die Debatten der Firmenleitung, und diese gab dann ihre Zustimmung zum Wiedererstehen des guten Namens NIMBUS. Die Planung basierte auf einer Produktionsziffer von etwa 1000 Einheiten pro Jahr.

Vater und Sohn gingen zusammen an den Entwurf der technischen Einzelheiten, aber der Hauptkredit für das gelungene neue Modell gilt sicher Anders.

Die Vorbereitungsarbeiten fanden im Keller der Familienvilla am C. F. Richsvej in Frederiksberg statt. Die beiden machten viele Zeichnungen. Wenn sie glaubten, sie hatten die richtige Lösung für ein Problem, wurde ein Modell des jeweiligen Teiles gemacht. Gleichzeitig entstand eine neue Fabrik auf dem Grundstück der Firma am Peter Bangsvej. Anders Fisker wurde dort zum Leiter der Konstruktion- und Erprobungsabteilung erwählt.

Schon im Mai 1933 lief ein Probefahrzeug, und obwohl in den kommenden Monaten noch vieles verändert bzw. verbessert wurde, war diese Maschine schon ein unverwechselbares Exemplar des Nimbus-Hummel Motorrades, wie man es heute noch kennt.

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Rechts ist Anders Fisker im Jahr 1927, 19 Jahre alt, links ein Studienfreund

Die neue Fabrik entstand in den Jahren 1932-33. Es war eine sehr moderne Anlage, komplett aus Beton erbaut, in einer Weise, die eine spätere Aufstockung mit zwei weiteren Etagen erlaubte. Das war ein guter Entwurf, denn die Erweiterung bekam bald eine Notwendigkeit. om-nimbus-010.jpg

Die Fisker & Nielsen Fabrik im Jahr 1933

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Anders Fisker auf Nimbus, Mai 1933, 25 Jahre alt
 

Das Motorrad ist eine der zwei Probemaschinen aus dem Jahre 1933. Die folgenden Serienmodelle, von Nummer 1301 an, sahen aber in vielen Einzelheiten recht anders aus. (Das soll kein Witz sein).
Anders Fisker übernahm das Motorrad mit der Baunummer 1301 im April 1934. Dieses Modell hatte ein schmales Schutzblech über dem Vorderrad, ein Verlängerungsrohr in einem Ölauslassloch vorne rechts im Kurbelgehäuse und eine drei-Bürsten Lichtmaschine.

Dem Publikum wurde das neue Motorrad im April 1934 vorgestellt, obwohl zu dieser Zeit nur die eine Maschine, Nr. 1301, existierte. Am Ende des Monats Juni kamen dann aber die ersten Produktionsmaschinen auf den Markt. Sie wurden sehr wohlwollend empfangen und waren auch gleich erfolgreich in Wettbewerben. Der dänische Volksmund gab ihnen bald den Spitznamen “Hummel” (wie schon oben gezeigt). Der alte Herr Fisker war mit diesem Namen einverstanden und zufrieden!

Nimbus Maschinen wurden schnell Teil des alltäglichen Stadtbilds in Dänemark, waren sie doch solide und zuverlässlich, und sie waren bald im Dienste des Militärs, der Post und Polizei, wie auch vieler Unternehmen des öffentlichen Dienstes, wie z.B. Elektrizitätswerke, Wasser und Gas Versorgungsgesellschaften, Feuerwehr, Lieferdienste (Nimbus mit Beiwagen) usw. In der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg waren Verkaufzahlen so hoch, dass in Kopenhagen jedes zweite gekaufte Motorrad eine Nimbus war. Die Fabrik war nicht in der Lage die Nachfrage zu befriedigen,- das gesteckte Produktionsziel zu erreichen. Das geschah endlich im Jahr 1938 und 1939, mit je 936 und 1085 Exemplaren. Dann kam wieder Krieg, und alle guten Pläne gingen in den Papierkorb.

Die Entwicklungsarbeit aber ging im Jahr 1939 weiter, und die neueste Version wurde auf dem Binnenmarkt als “Sport” Modell angeboten. Sie wird allgemein als die allerbeste Nimbus angesehen.

Dieses Motorrad unterschied sich von seinen Vorgängern in den folgenden Einzelheiten:

  • Die 4 Zylinder in einem Block gegossen
  • Obenliegende Nockenwelle
  • Einlass und Auslasskrümmer auf gegenüberliegenden Seiten des Zylinderkopfes
  • Hemisphärische Brennräume mit Ventilen in 'V' Anordnung um die Längenachse
  • Automatische Zündpunktverstellung im Verteiler durch Zentrifugalkraft
  • Batteriezündung
  • Stahlgepresster Lenker mit integrierten Hebeln, Vergaser Drehgriff, Schaltern und Instrumenten
  • Integrierter Antrieb von Nockenwelle, Ölpumpe und Lichtmaschine
  • Lichtmaschine mit Spannungsregler (ausgenommen in den ersten 250 Maschinen)
  • Zündspule und Verteiler in einer Einheit, angetrieben von Nockenwelle
  • Teleskopische Vorderradgabel (patentiert kurz vor BMW für eine ähnliche Konstruktion)
  • Ungefedertes Hinterrad

Viele technisch interessierte Beobachter bedauerten die Rückkehr zum ungefederten Hinterrad. Der hintere Schwingrahmen war jedoch nicht nur etwas unstabil und unzuverlässlich in dieser Zeit, bevor wirklich gute Schwingungsdämpfer entwickelt waren,- er war auch umständlich zu fabrizieren und recht teuer. Der einfache, feste Einbau der Hinterachse hatte sich gut bewährt, war robust und gab dem Fahrer in schwierigen Situationen ein sicheres, kalkulierbares Gefühl. Außerdem machte es den Aus- und Einbau des Hinterrades sehr viel einfacher,- ein wichtiger Punkt in einer Zeit, in der Reifenpannen oft Teil einer Reise waren.  

Oft zu Recht kritisierte Bauteile waren die Vorderradbremsen. Mit nur 150mm Trommeldurchmesser waren sie zu klein und brauchten zu viel Muskelkraft, um wirklich nützlich zu sein. Die ersten Maschinen dieser Serie hatten keinerlei Dämpfung der Vorradgabel. Später dann installierte man Blöcke aus Reibungsmaterial an den Gabelrohren, welche die gleitenden inneren Rohre am Ende ihres Hubes dämpfen konnten.

An Maschinen, die an sportlichen Veranstaltungen wie Rallyes oder Geländefahrten teilnahmen, installierte man Reibungsdämpfer der seinerzeit viel genutzten Scherenbauart. Die beste Lösung der Dämpfungsprobleme kam im Jahr 1939 mit der Einführung der ölgedämpften Vorderradgabeln. Zur gleichen Zeit wurden die Vorderradbremsen auf 180mm Durchmesser vergrößert, wie die der Hinterräder schon seit 1937 waren.      

Die ersten 250 Maschinen hatten Druckölschmierung der Kurbelwelle und drei-Bürsten Lichtmaschinen ohne Spannungsregler.  Keine dieser Einzelheiten erwiesen sich als nützlich, und die Kurbelwellenschmierung ging erstaunlicherweise im Jahre 1935 zurück auf die alterprobte Tauch- oder Tropfmethode, während die Lichtmaschinen nun moderne zweibürsten Einheiten mit Spannungsregler wurden. Den Kunden, die Motorräder ohne die letzten Veränderungen hatten, wurde das Angebot gemacht, ihre Maschinen von der Firma kostenfrei oder fast frei auf den neuesten Stand der Entwicklung zu bringen.

 

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Nimbus Modell von 1934, Baunummer 1492                                                             
Diese Maschine ist im Besitz von Jens Bisbjerg Andersen 

   

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Nimbus Modell 1939

Dieses Bild ist eine Seite einer Reklamebroschüre. Das Motiv ist eine 1939 Nimbus Sport mit der neuen, ölgedämpften Vorderradgabel und 180mm Vollnabenbremse.e.

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Die Fisker & Nielsen GmbH Fabrikanlagen

Dieses Bild zeigt die Ausweitung der Fabrik in Peter Bangsvej im Jahr 1940. Hier sieht man jetzt zwei neue Stockwerke auf der Nimbusfabrik, und das Vordergebäude ist voll ausgebaut mit fünf extra Giebelfenstern.  (Auf Grund des Krieges fand vor 1950 keine weitere Entwicklung statt).

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Dieses Bild aus dem Jahre 1946 zeigt zwei Nimbus Motorräder vor dem Geschäft des Verkaufspartners Fisker-Jensen, einem Verwandten von P. A. Fisker. Aufgrund der Gummiknappheit kurz nach dem Krieg wurden die Maschinen ohne Reifen und ohne Batterien geliefert. Die Kosten dieser Teile wurden vom Kaufpreis abgezogen. Es wurde zur Aufgabe des Kunden, diese Notwendigkeiten irgendwie selber zu beschaffen.

 

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Nimbus 1948 mit Beiwagen Chassis

Dieses Bild entstammt einer Broschüre für Beiwagenchassis, käuflich in den Jahren 1948-49. Es zeigt auch die erste Version der sogenannten “hohen Vorderradgabel”, das schmale 'Englische' vordere Schutzblech, Smith Tachometer und Lucas Lampe. Untypisch für dieses Modell ist das 'Sport' Auspuffrohr. Die Sitze haben noch traditionale Wickelfedern, die während 1950 mit Gummi-Zugfedern ersetzt wurden.

Nimbus 1948

Von 1948 an lief die Wirtschaft wieder normal, Zulieferungsschwierigkeiten waren Vergangenheit. Von Baunummer 7501 an wurde eine Anzahl von Verbesserungen an den Maschinen eingeführt, vornehmlich die 'hohe' Vorderradgabel, welche längere Gleitrohre hatten, aber ansonsten baugleich war mit der Maschine von 1939. Das leichte vordere Schutzblech war nun so angebaut, dass es mit dem Rad auf und ab sprang, also ungefederte Masse war, was bei dem geringen Gewicht dieses Bauteiles nicht kritisch war. Es gab den Motorrädern ein modernes, elegantes Aussehen. Diese Konstruktion wurde bis zum Ende der Herstellung von Nimbus Motorrädern beibehalten. Wie schon oben erwähnt, wurden im Jahr 1950 die selbst-dämpfenden Gummifedern unter den Sitzen installiert.

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Oben, die Fisker & Nielsen GmbH Fabrik im Jahre 1955

1955 wurde die Nimbus Herstellung in ein neues Gebäude verlegt, das im Bild oben rechts gezeichnet ist. Die Nilfisk Produktion nahm von da an alle anderen Gebäude in Anspruch. Die Verlegung der Motorradproduktion wurde notwendig, da die Einführung von Fließbandproduktion der elektrischen Produkte lange, zusammenhängende Hallen erforderte.

Prototypen

In den folgenden,- und damit leider letzten-, Jahren der Nimbus Produktion wurden Verbesserungen vieler Bauteile der Maschinen erprobt. Das betraf besonders die Radfederungen,- Vorderrad wie Hinterrad-, und das noch immer ungelöste Problem, an dem sich schon zahllose Ingenieure versucht hatten, - Rotationsventile.  Die Idee kam von Herrn Fisker, und es war der Firmen Ingenieur Johannes Ersgaard, welcher sich der Entwicklung dieses Objekts mit Erfolg widmete. Ein solches Werkteil wurde patentiert, aber es wurde nie hergestellt. Andere Leiter der Firma waren gegen diese weitgehende Veränderung und in Konflikt darüber mit Anders Fisker, der schon seit einiger Zeit recht krank war.

Schon während des Krieges hatte Anders Fisker,- die treibende Kraft hinter dem Nimbus Projekt-, Anzeichen einer Krankheit, die am Ende seinen Tod herbeibrachte,- Multiple Sklerose. Jahrelang kämpfte er dagegen, aber die Lähmung war unaufhaltsam und sein Tod kommt im Alter von 56 Jahren im Jahr 1964. Vater P. A. Fisker überlebte seinen Sohn um 11 Jahre; er starb im Jahr 1975 im Alter von 100 Jahren. Sein jüngster Sohn Erik Fisker folgte ihm als Direktor der Fisker & Nielsen GmbH.

Ein weiteres, vielversprechendes Motorprojekt unter dem internen Namen MC100 wurde auch ausgesetzt. Es handelte sich um eine konventionelle Motorkonstruktion, aber moderner,- der neuen Zeit entsprechend, mit Lösungen für eine Reihe von Beanstandungen an dem bestehenden Triebwerk.

1954 entstand ein Versuchsmotor, der dann in einem der zwei vorhergenannten Prototyprahmen erprobt wurde. Das Projekt wurde später wieder aufgenommen unter der Führung von Ingenieur Ersgaard, der einen neuen Motor baute mit diversen Verbesserungen aus seiner Arbeit. Ergaard installierte diese Einheit in das Erprobungsmotorrad und fuhr damit im Jahr 1956 zum Nordkap und zurück. Messungen zeigten, dass dieser Motor ein wenig über 32 PS leistete, etwa gleich der Leistung einer englischen Maschine von 650cm3 während dieser Zeit.

Es ist ohne Zweifel, dass dieser Motor ein großer Fortschritt in der Qualität der Motorräder gewesen wäre,- es war ein gutes Produkt, ohne die Probleme, die zweifellos mit einer „Rotationsventil” Maschine aufgetreten wären (wie Geschichte gelehrt hat).

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Die oben abgebildete Nimbus war ein Versuch, die Maschinen wieder mit Hinterradfederung zu bauen und mit neuen Hinterrädern, sowie mit einer neuen Entwicklung von sogenannten Earl's Vordergabeln. Andere Veränderungen wurden gemacht in der Führung des Auspuffrohres, der Größe des Krafstofftanks, der Verstärkung der Lenkstange und dem Einbau von Parklichtern unter den Frontleuchten. Zwei von diesen Varianten wurden gebaut, und zwei weitere mit etwas anderen Rahmenstrukturen. Es war beabsichtigt, dass Kunden wählen konnten zwischen einer ‘normalen' Vordergabel und einer 'neuen', wie auch zwischen einem 'normalen' und einem 'neuen' Hinterrad. Die Hoffnung und Erwartung war, dass diese mehr Käufer anziehen würde, aber am Ende wurde der Plan doch verworfen.

Das Ende der Nimbus Produktion

Die Herstellung von Nimbus Motorrädern endete offiziell im Jahre 1959, und die letzten Maschinen wurden 1960 an das Militär und an die Post geliefert. Ein Einverständnis mit dem Staat versicherte, dass Ersatz-  und Pflegeteile noch für die kommenden 15 Jahre erhältlich sein würden. Dies endete mit dem Jahr, in dem das Militär die letzten seiner Maschinen ausmusterte.


Nachruf

Verschiedene Erklärungen zum Grund der Einstellung der Motorradherstellung wurden verbreitet, aber die einfache Tatsache war, dass die Verkaufszahlen sehr rückläufig waren. Im Jahr 1958 beliefen sie sich auf 53 Einheiten, und im Jahr 1959 auf 61. Kein Motorradhersteller kann mit solchen Zahlen im Geschäft bleiben.
Man kann im Rückblick argumentieren, dass eine fortschrittlichere und schnellere technische Entwicklung eine andere Zukunft gebracht hätte, aber auch nur für eine beschränkte Zeit. Die treibende Kraft, die Seele des Geschäftes, war Anders Fisker, und seine tragische Krankheit und damit verbundene Verminderung seiner Arbeits- und Durchsetzungskraft in der Leitung der Firma waren wesentliche, unveränderliche Faktoren. Dazu kam die allgemeine Tendenz in der europäischen Motorradindustrie zu dieser Zeit:

Während der 1960er Jahre gab fast die ganze deutsche Motorradindustrie auf, mit der Ausnahme von BMW; in England blieben drei Marken im Geschäft. Für den Preis einer Nimbus mit Beiwagen konnte man ein kleines Auto kaufen!

In seiner Zeit hatte Nimbus eine goldene Periode. “Danmarks Nimbus Touring” wurde im Jahr 1974 gegründet, der beliebte Klub der Nimbus Fahrer und Freunde, der auch heute noch, am Ende des zweiten Jahrzehntes in den 2000tern, ungefähr 1600 Mitglieder hat, verstreut über viele Länder Europas. In den Akten der dänischen Fahrzeuganmeldungsbehörde sind etwa 4300 Maschinen registriert. Ungefähr 500 fahren im Ausland, und viele Enthusiasten haben mehr als eine Nimbus. Man rechnet, dass noch ungefähr 7500 Exemplare im Verkehr sind, eine hohe Lebensrate,- vielleicht höher als andere gleichartige Produkte nach 60 Jahren, zumal es sich hier eigentlich nur um ein einziges Modell handelt.

Das ist wohl ein recht seltener Rekord,- ein Zeugnis für die gute Grundidee und dessen solide Ausführung, für die Vision und Integrität der Fiskers, und,- nicht zu vergessen-, für die Energie und Hingabe, die so viele Nimbus Fahrer ihren Maschinen widmen.

Nimbus, wahrlich Dänemark‘s Motorrad

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Obiges Bild zeigt die letzte Version des Nimbus Wahrzeichens. Es ist etwa 80 cm breit und wurde dem Vertragshändler M. Nielsen aus Odense als Anerkennung zum Anlass des Verkaufes von 500 Maschinen übergeben.

Text und Layout: Allan Kløve Nyborg (slightly re-written and abbreviated 2018)
Deutsche Übersetzung von Dieter Bartsch, 2018